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Lehm-, Kalk- oder Silikatfarbe: mineralische Wandfarben im Vergleich

Was Lehmfarbe, Kalkfarbe und Silikatfarbe unterscheidet, für welche Räume und Untergründe sie sich eignen und wann normale Dispersionsfarbe die bessere Wahl bleibt.

Die meisten Wände in Deutschland sind mit Dispersionsfarbe gestrichen. Das ist nicht falsch: sie ist günstig, deckt gut und lässt sich abwischen. Wer aber Wert auf Raumklima legt, einen Altbau mit mineralischem Putz hat oder Schimmel vorbeugen will, landet schnell bei drei Alternativen: Lehm, Kalk und Silikat. Alle drei gelten als mineralisch, verhalten sich an der Wand aber sehr unterschiedlich.

Was „mineralisch" überhaupt bedeutet

Dispersionsfarbe hält, weil ihr Kunstharz-Bindemittel beim Trocknen einen dünnen Film bildet. Der Film liegt auf der Wand wie eine Haut. Mineralische Farben arbeiten anders. Ihr Bindemittel ist ein mineralischer Stoff, also Ton, Kalk oder Wasserglas, und die Farbe wird Teil der Oberfläche, statt nur darauf zu liegen. Deshalb bleibt die Wand offen für Wasserdampf. Feuchtigkeit, die in den Putz gelangt, kann wieder austrocknen.

Lehmfarbe

Lehmfarbe bindet über Tonmineralien. Sie ist die weichste der drei, und genau das macht sie angenehm: sie nimmt Luftfeuchtigkeit auf, wenn es im Raum feucht wird, und gibt sie wieder ab, sobald die Luft trockener ist. Synthetische Bindemittel enthält sie nicht. Die Oberfläche ist matt und warm im Ton.

Die Grenzen sind klar. Lehm ist nicht wasserfest. Über der Badewanne, am Küchenspritzschutz oder auf einer Außenwand hat er nichts verloren. Dafür lässt er sich leicht ausbessern, weil eine getrocknete Lehmschicht mit Wasser wieder anlösbar ist. Eine Macke im Kinderzimmer ist schnell verschwunden, ohne dass die ganze Wand neu gestrichen werden muss.

Gut geeignet für: Schlafzimmer, Kinderzimmer, Wohnräume, Menschen mit Allergien. Weniger geeignet für: Nassbereiche, stark beanspruchte Flure, Fassaden.

Lehmfarbe und Lehmputz sind eine unserer Leistungen. Mehr dazu auf der Seite Lehmfarbe & Lehmputz.

Kalkfarbe

Kalkfarbe ist eine der ältesten Wandfarben überhaupt. Sie besteht im Kern aus gelöschtem Kalk, der nach dem Streichen Kohlendioxid aus der Luft aufnimmt und dabei wieder zu Kalkstein wird. Frisch ist sie stark alkalisch. Das hat einen praktischen Nebeneffekt: Schimmelsporen finden auf einer Kalkoberfläche schlechte Bedingungen vor. Deshalb wird Kalk gern in Kellern, Altbau-Bädern außerhalb des Spritzwassers und in Räumen mit Neigung zu Kondenswasser eingesetzt.

Kalk hat seinen eigenen Charakter. Die Oberfläche wirkt lebendig und leicht wolkig, nie ganz gleichmäßig. Kräftige Farbtöne sind schwer umzusetzen, Kalk bleibt eher hell. Außerdem kreidet er: wer mit der Hand über die Wand fährt, hat oft einen leichten weißen Hauch an den Fingern. In einem Flur, an dem täglich Jacken und Taschen entlangstreifen, ist das eher lästig.

Gut geeignet für: Keller, Altbauten mit Kalkputz, Räume mit Schimmelneigung (nach geklärter Ursache). Weniger geeignet für: kräftige Farbwünsche, stark beanspruchte Wände.

Silikatfarbe

Silikatfarbe bindet über Kaliwasserglas. Beim Trocknen geht sie eine chemische Verbindung mit dem mineralischen Untergrund ein, Fachleute sprechen vom Verkieseln. Die Farbe wird damit fest mit Putz oder Mauerwerk verbunden. Das Ergebnis ist sehr lichtecht, wetterbeständig und hält lange. Deshalb ist Silikatfarbe innen wie außen im Einsatz, besonders auf Fassaden.

Entwickelt hat dieses Prinzip Adolf Wilhelm Keim, der es 1878 patentieren ließ. Das Unternehmen KEIM, das bis heute Silikatfarben herstellt, gehört zu unseren Farbpartnern.

Der Haken liegt im Untergrund. Silikatfarbe braucht etwas Mineralisches, mit dem sie sich verbinden kann. Auf einem alten Dispersionsanstrich fehlt das. Dann gibt es drei Wege: den Altanstrich entfernen, eine speziell dafür ausgelegte Variante verwenden oder bei Dispersion bleiben. Welcher Weg passt, entscheidet sich an der Wand, nicht im Katalog.

Gut geeignet für: Fassaden, mineralische Putze, Altbauten, Wände mit hoher Lichteinstrahlung. Weniger geeignet für: Untergründe mit Kunstharz-Altanstrich, Holz, Metall.

Und wann bleibt Dispersionsfarbe die richtige Wahl?

Öfter, als man denkt. Auf Gipskarton, auf glatten Flächen in Neubauten, auf einer bereits dispersionsgestrichenen Raufaser oder in einem Kinderzimmer, in dem die Wand regelmäßig abgewischt werden soll, spricht wenig gegen eine gute Dispersionsfarbe. Ein Wechsel auf mineralische Farbe lohnt sich vor allem dort, wo der Untergrund ohnehin mineralisch ist oder wo Raumklima und Feuchtigkeit eine echte Rolle spielen.

So entscheiden wir mit Ihnen

Am Anfang steht der Blick auf die Wand. Wir prüfen, welcher Putz darunter liegt, was bisher gestrichen wurde und wie der Raum genutzt wird. Erst dann empfehlen wir eine Farbe. Wenn die vorhandene Dispersionsschicht in Ordnung ist und nichts für einen Wechsel spricht, sagen wir das auch. Die Vor-Ort-Beratung ist kostenlos und unverbindlich. Einen Termin können Sie über unsere Kontaktseite vereinbaren.

Häufige Fragen dazu

  • Meist Lehmfarbe. Sie nimmt Feuchtigkeit aus der Raumluft auf, gibt sie wieder ab und enthält keine synthetischen Bindemittel. In einem trockenen Wohnraum ohne Spritzwasser spielt sie ihre Stärken am besten aus.

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